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Amazon soll mit Atlas Gewerkschaftsrisiken bewerten

Interne Unterlagen beschreiben ein Punktesystem für Amazon-Standorte. Amazon sagt, Atlas überwache weder persönliche Meinungen noch Gewerkschaftsmitgliedschaften.

Von Von Oossa veröffentlicht: 1 Min. Lesezeit

Daniel Holland · Unsplash

Amazon soll ein KI-System namens Atlas einsetzen, um mögliche Gewerkschaftsaktivitäten in seinen Verteilzentren frühzeitig zu erkennen. Das berichtet die britische Rechercheplattform openDemocracy. Sie beruft sich auf ein internes Schulungsdokument, das im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen Amazon und einer kanadischen Gewerkschaft veröffentlicht wurde.

Laut dem Dokument wird das Atlas Labor Score Model in den USA, Kanada und Großbritannien verwendet. Es bewertet einzelne Standorte anhand betrieblicher, demografischer und externer Faktoren. Genannt werden unter anderem Antworten aus Mitarbeiterumfragen, Beschwerden, Personalfluktuation und Notizen von Führungskräften. openDemocracy berichtet außerdem, dass Beiträge in sozialen Medien ausgewertet würden.

Was bedeutet die Risikostufe?

Atlas soll Standorten eine Punktzahl von 1 bis 5 zuweisen. Stufe 5 steht laut Dokument für keinen erkennbaren gewerkschaftlichen Organisationsversuch. Stufe 1 bedeutet, dass eine gewerkschaftliche Vertretung oder eine Wahl unmittelbar bevorsteht.

Bei Stufe 1 soll ein Employee Relations Rapid Response Team innerhalb von 24 Stunden zum Standort kommen. Das Team soll mit der Rechtsabteilung und weiteren Beteiligten über „Deeskalationsstrategien“ sprechen. Dazu zähle, das Vertrauen der Beschäftigten zu gewinnen und besonders unentschlossene sowie einflussreiche Mitarbeiter anzusprechen.

Amazon widerspricht dem Überwachungsvorwurf

Amazon bestreitet, dass Atlas einzelne Beschäftigte überwache. Das Unternehmen bezeichnet das System als Werkzeug zur Entwicklung einzelner Standorte. Persönliche Meinungen oder Gewerkschaftsmitgliedschaften würden nicht überwacht, erklärte Amazon. Die veröffentlichten Angaben zeigen nicht im Detail, wie die Daten verarbeitet werden oder wie häufig das System tatsächlich eingesetzt wird.

Warum es wichtig ist

Für Beschäftigte in den drei genannten Ländern könnte eine hohe Risikoeinstufung bedeuten, dass Amazon kurzfristig ein Team an ihren Standort schickt und dort Gespräche über gewerkschaftliche Aktivitäten führt. Amazon sagt, das System richte sich nicht auf einzelne Mitarbeiter; aus den veröffentlichten Unterlagen geht nicht hervor, wie die Praxis im Alltag aussieht.

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