# RTL bearbeitet fünf Folgen von „Das Strafgericht“ mit KI

> Fünf alte Folgen wurden zu neuen Geschichten umgebaut. Im linearen TV fehlte ein KI-Hinweis; bei RTL+ nennt ihn der Abspann.

Oossa · 2026-10-12 · https://oossa.com/de/rtl-bearbeitet-funf-folgen-von-das-strafgericht-mit-ki

RTL hat fünf ältere Folgen der Gerichtsshow „Das Strafgericht“ mit Ulrich Wetzel per KI zu neuen Geschichten umgearbeitet. Sie liefen in der Woche ab dem 7. September im linearen Fernsehen – ohne Hinweis auf den KI-Einsatz. Bei RTL+ steht ein solcher Hinweis im Abspann. RTL setzte das Projekt gemeinsam mit der Produktionsfirma Constantin Entertainment um.

Zum Einsatz kamen laut RTL unter anderem Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Anpassungen der Lippenbewegungen. Die KI veränderte Figuren und Handlungen: Aus einem Mutter-Sohn-Verhältnis wurde zum Beispiel ein Geschwisterverhältnis, in einer anderen Folge wechselte die Hauptfigur das Geschlecht. Einen neuen Angeklagten spielte ein Schauspieler, den die KI in ein vorhandenes Set einfügte.

## Warum fehlt der Hinweis im Fernsehen?

Seit dem 2. August 2026 gelten Transparenzpflichten der europäischen KI-Verordnung. Bei offensichtlich fiktionalen Werken reicht demnach ein Hinweis in geeigneter Weise, sofern er das Werk nicht beeinträchtigt. RTL beruft sich auf diese Ausnahme und sagt, es setze auf „formatgerechte Transparenz“. Entscheidend sei auch, ob Zuschauer die Inhalte für authentische Aufnahmen halten könnten.

Die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) hält dagegen eine Kennzeichnung im TV-Programm für folgerichtig. Ob RTL Konsequenzen drohen, ist laut dem Bericht offen. Die fünf Folgen bewirbt RTL laut DWDL tatsächlich als neu. Der Influencer Alex Riechelmann kritisiert, dass ältere Aufnahmen so als neue Folgen verkauft würden.

## Was bleibt offen?

RTL bezeichnet die Folgen als Praxistest in einer Pilot- und Lernphase, nicht als festes Produktionsmodell. Wie viel menschliche Arbeit in den neuen Geschichten steckte, ist nicht bekannt. RTL sagt auch nicht, ob beteiligte Darsteller zusätzlich bezahlt wurden; die nötigen Rechte habe der Sender nach eigenen Angaben geklärt.

Der Bundesverband Schauspiel warnt, dass solche Verfahren Darsteller und Produktionsteams bei neuen Drehs ersetzen könnten. Er fordert, dass Schauspieler die Kontrolle über Gesicht und Stimme behalten und durch KI-Nutzung finanziell nicht schlechter gestellt werden. Einzelne Szenen wirkten laut DWDL holprig; manche Wörter seien schwer verständlich, die Lippenbewegungen teils nicht synchron.

## Die Fakten

- RTL bearbeitete fünf ältere Folgen von „Das Strafgericht“ mit KI zu neuen Geschichten.
- Die Folgen liefen in der Woche ab dem 7. September im linearen Fernsehen ohne KI-Hinweis; bei RTL+ nennt ihn der Abspann.
- Die europäische KI-Verordnung mit Transparenzpflichten gilt seit dem 2. August 2026.
- RTL produzierte die Folgen gemeinsam mit Constantin Entertainment und nennt sie einen Praxistest.
- Ob Darsteller zusätzlich vergütet wurden, ist nicht bekannt. 

## Warum es wichtig ist

Für Zuschauer im linearen Fernsehen war nicht erkennbar, dass alte Folgen mit KI zu neuen Geschichten umgebaut wurden; auf RTL+ informiert der Abspann darüber. Ob die fehlende Kennzeichnung im TV gegen die KI-Verordnung verstößt, ist ungeklärt: RTL beruft sich auf die Ausnahme für fiktionale Werke, während die NLM eine Kennzeichnung im Programm für folgerichtig hält.

## Quellen und Referenzen

1. [TV: RTL zeigt KI-Folgen ohne Hinweis im linearen TV](https://www.golem.de/news/tv-rtl-zeigt-ki-folgen-ohne-hinweis-im-linearen-tv-2610-213981.html) – Golem, 2026-10-12

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12
