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Linux-Lücke: Claude schrieb Root-Exploit, Ubuntu wartet auf Patch

Ein Fehler im Linux-Kernel kann unter bestimmten Bedingungen Fernzugriff mit Root-Rechten ermöglichen. Ubuntu und RHEL hatten am 29. Oktober noch keinen vollständigen Fix.

Von Von Oossa veröffentlicht: 2 Min. Lesezeit

Brecht Corbeel · Unsplash

Anthropic zufolge hat sein KI-Modell Claude einen funktionierenden Exploit für eine schwere Linux-Kernel-Lücke geschrieben. Unter bestimmten Bedingungen kann ein Angreifer damit aus der Ferne Befehle mit Root-Rechten ausführen – also mit den höchsten Systemrechten. Betroffen sind Server mit einem Listener für Multipath TCP (MPTCP), einer Erweiterung für TCP-Verbindungen. Golem berichtet, dass Ubuntu und Red Hat Enterprise Linux (RHEL) am 29. Oktober noch nicht vollständig mit Korrekturen versorgt waren.

Die Lücke trägt die Kennung CVE-2026-98432. Sie steckt im TCP-Code des Kernels und geht laut Golem möglicherweise auf Linux 4.4 zurück. Eine Race Condition – ein Fehler, bei dem das Ergebnis vom genauen Timing abhängt – kann dazu führen, dass der Kernel bereits freigegebenen Speicher verwendet. Das nennt man Use-after-free. Anthropic beschreibt einen zweistufigen Angriff: Erst liest der Exploit eine Kernel-Adresse aus und umgeht so KASLR, einen Schutz, der Speicherbereiche zufällig anordnet. Danach lenkt er einen Zeiger auf Schadcode um.

Wie sicher ist der Angriff?

Der Kernel-Sicherheitsexploit wurde laut Golem am 5. Oktober in den Kernel übernommen. Anthropic machte den Angriff am 27. Oktober öffentlich. Das Unternehmen sagt, sein interner, noch nicht veröffentlichter Claude-Forschungsmodus habe außerdem Angriffe auf Chrome, Safari, Android und Windows gefunden. Die Linux-Lücke ist laut Anthropic eine von mehreren Angriffsketten aus seiner Untersuchung.

Wie leicht sich die Linux-Lücke ausnutzen lässt, bewerten die Anbieter unterschiedlich. Das Kernel-Team vergibt 9,8 von 10 Punkten. Red Hats öffentliche CVE-Seite nennt 5,9; eine am 29. Oktober aktualisierte Advisory-Datei von Red Hat stuft die Lücke dagegen mit 8,1 ein. Oracle und SUSE vergeben ebenfalls 8,1, Amazon 7,0. Red Hat hält einen Absturz für das wahrscheinlichste Ergebnis und die Race Condition für schwer auszulösen.

Anthropic zufolge dauerte das Auslesen einer Kernel-Adresse in einem Test 48 Minuten, die anschließende Befehlsausführung weitere fünf. Das Unternehmen veröffentlichte weder den Exploit-Code noch die getestete Kernel-Version und Konfiguration. Der Bericht nennt MPTCP als Voraussetzung für den getesteten Angriff; ob sich Systeme ohne MPTCP-Listener ebenfalls angreifen lassen, ist offen. IPv6 scheint laut Golem nicht betroffen zu sein.

Welche Systeme haben schon einen Fix?

Debian, Oracle Linux, SUSE und Amazon Linux hatten für zumindest einige Kernel korrigierte Pakete veröffentlicht. Ubuntu führte Versionen von 16.04 bis 26.10 noch als verwundbar oder in Bearbeitung. Red Hat verschob die Korrektur für RHEL 8, 9 und 10 auf ein späteres Update, ohne einen Termin zu nennen. Für selbst kompilierte Kernel nennt Golem korrigierte Versionen ab 5.10.272, 5.15.223, 6.1.190, 6.6.159, 6.12.113, 6.18.56, 7.2.10 und 7.3.

Bis zum Bericht gab es keine Meldungen über Angriffe mit dieser Lücke. Red Hat erklärte, keine Abhilfemaßnahme erfülle derzeit die eigenen Anforderungen. Ob das Abschalten von MPTCP oder das Filtern bestimmter IP-Optionen schützt, ist unklar.

Warum es wichtig ist

Für Betreiber von Linux-Servern heißt das: Sie sollten prüfen, ob ihre Distribution bereits ein korrigiertes Kernel-Paket anbietet, denn Ubuntu und RHEL hatten den Fix noch nicht vollständig bereitgestellt. Der konkret von Anthropic beschriebene Fernangriff betrifft MPTCP-Listener; ob andere Konfigurationen ebenfalls gefährdet sind und ob Abschalten von MPTCP hilft, ist noch nicht geklärt.

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