Nvidias Fahr-KI Alpamayo bewältigte bei einer Probefahrt in Berlin enge Straßen, Radverkehr und unübersichtliche Stellen meist ohne Hilfe. Einmal musste der Fahrer eingreifen: Beim Abbiegen kam das Testauto einem anderen Wagen gefährlich nahe; hinter diesem tauchte zusätzlich ein Radfahrer auf. Golem-Autor Johannes Hiltscher begleitete die Fahrt.
Die Route führte durch das Berliner Zentrum und war laut dem mitfahrenden Nvidia-Entwickler bewusst anspruchsvoll gewählt. Das System fuhr überwiegend vorsichtig, hielt Abstand und beachtete die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Bei einer Engstelle beschleunigte das Auto allerdings überraschend stark. Beim Abbiegen fuhr es zudem weite Kurven.
Was kann das System schon?
Bei mehreren schwierigen Begegnungen, darunter Autos, die voreinander abbogen, kam Alpamayo zurecht. Auch einen Müllwerker, der mit einem Container über die Straße lief, erkannte das System. Es bremste nicht abrupt, sondern schätzte laut der Anzeige im Fahrzeug Abstand und Geschwindigkeit des Hindernisses ein. Eine Rechts-vor-links-Situation an einer T-Kreuzung lässt sich aus der Probefahrt dagegen nicht bewerten: Dort regelte der Fahrer eines anderen Autos die Begegnung, während Nvidias System mehrere Sekunden nicht selbst aktiv wurde.
Nvidia bezeichnet die Fahrfunktion als L2++. Das Navigationsziel wird eingegeben, anschließend übernimmt die KI die Steuerung. Der Mensch muss trotzdem aufmerksam bleiben und die Hände am Lenkrad haben. Die Anzeige hinter dem Lenkrad zeigt erkannte Verkehrsteilnehmer und geplante Manöver. Die Hersteller können den Fahrstil anpassen; Mercedes wolle ein Fahrgefühl wie bei einem professionellen Chauffeur, sagte der Nvidia-Entwickler.
Noch kein Serienstand
Das Testfahrzeug war ein Serienauto, die verbaute Hardware aber individuell angepasst. Mercedes will das System 2027 als MB Drive Assist Pro auf den Markt bringen und wäre damit laut Golem der erste Hersteller, der Alpamayo einsetzt. Nvidia bietet Autobauern neben Hardware inzwischen auch Software und KI-Modelle an, um die Integration von Fahrfunktionen zu erleichtern.
Die Probefahrt zeigt, wie das System auf einer bestimmten Route reagierte – nicht, wie zuverlässig es in allen Verkehrslagen fährt. Auch die unklare Kreuzungssituation konnte der Test nicht beantworten. Bis zum geplanten Einsatz im Mercedes bleibt deshalb wichtig, dass Fahrer die Funktion überwachen und bei Bedarf selbst eingreifen.
Warum es wichtig ist
Für Mercedes-Fahrer könnte Alpamayo künftig viele Fahraufgaben übernehmen, aber die Probefahrt zeigt auch: Der Mensch muss weiter aufpassen und im Notfall reagieren. Wie zuverlässig das System außerhalb der getesteten Berliner Route ist, bleibt offen.