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Radical Numerics verabreicht KI-entworfene Phagen

Ein Patient mit einer antibiotikaresistenten E.-coli-Infektion erhielt Phagen, die das Start-up mit seiner KI Omnii-1 entworfen hat. Ob die Behandlung hilft, ist offen.

Von Von Oossa veröffentlicht: 2 Min. Lesezeit

masakazu sasaki · Unsplash

Das US-Start-up Radical Numerics hat nach eigenen Angaben einem Patienten Bakteriophagen verabreicht, die seine KI Omnii-1 entworfen hat. Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien befallen. Der Patient hat laut der New York Times eine E.-coli-Infektion, gegen die Antibiotika und verfügbare Phagen nicht halfen. Das Unternehmen machte den Fall am 20. Oktober öffentlich.

Die Gabe erfolgte in einem sogenannten Compassionate-Use-Verfahren und wurde von Ärzten geleitet. Vertreter des Unternehmens erklärten, die US-Arzneimittelbehörde FDA habe das Verfahren genehmigt. Radical Numerics nannte weder die behandelnde Klinik noch die Ärzte und veröffentlichte bislang kein Behandlungsergebnis. Ob die Phagen die Infektion beim Patienten bekämpfen, ist daher unklar.

Was hat Omnii-1 entworfen?

Als Vorlage diente T7, ein Phage, der E. coli befällt. Omnii-1 veränderte das Gen gp17. Es enthält den Bauplan für eine Schwanzfaser, mit der sich der Phage an Bakterien anheftet. Laut dem technischen Bericht des Unternehmens unterscheiden sich die entworfenen Varianten in 11 bis 15 Aminosäuren von T7. Radical Numerics berichtet, dass 69,9 Prozent der entworfenen Varianten als lebensfähige Phagen gewonnen wurden. Bei zufällig ausgewählten Vergleichsvarianten waren es 4,8 Prozent.

Von 6.694 Varianten mit messbarer Aktivität übertrafen laut Unternehmen 2.161 den ursprünglichen T7. Ein Cocktail aus Varianten tötete den Bakterienstamm des Patienten zudem im Labor. Diese Ergebnisse stammen aus dem Bericht von Radical Numerics; er wurde nicht von unabhängigen Fachleuten begutachtet. Sie zeigen deshalb noch nicht, dass die Behandlung beim Menschen sicher ist oder wirkt.

Warum ist die Behandlung personalisiert?

Phagen können gezielt bestimmte Bakterien angreifen. Das kann nützlich sein, wenn Antibiotika versagen, macht die Suche nach einem passenden Phagen aber schwierig: Er muss genau den Erreger des Patienten infizieren können. Bislang werden dafür unter anderem vorhandene Phagensammlungen gegen eine Bakterienprobe getestet. Radical Numerics will mit Omnii-1 passende Varianten schneller entwerfen und auswählen. Firmenchef Eric Nguyen hofft, maßgeschneiderte Phagen künftig innerhalb weniger Tage herstellen zu können.

Der Fall ist nach Darstellung des Start-ups der erste klinische Einsatz von KI-entworfenen Phagen. Der Mikrobiologe Michael Baym von der Harvard University, der nicht an dem Projekt beteiligt war, sagte laut Golem, er bleibe skeptisch, bis die Behandlung abgeschlossen sei. Auch das Unternehmen betont, dass ein einzelner Patientenfall weder Sicherheit noch Wirksamkeit belegt. Nguyen kündigte an, Ergebnisse in einer Fachpublikation zu veröffentlichen; klinische Einzelheiten wolle er nur mit Zustimmung des Patienten nennen.

Warum es wichtig ist

Für Menschen mit Infektionen, gegen die Antibiotika nicht wirken, könnte eine individuell angepasste Phagentherapie eine weitere Behandlungsoption werden. Bisher ist aber nur der Labortest beschrieben: Ob die KI-entworfenen Phagen dem Patienten helfen oder sicher sind, bleibt offen.

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