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Anthropic beantragt Börsengang – mit deutlichen Risikohinweisen

Der 335-seitige Börsenprospekt verbindet große Versprechen für die Zukunft der KI mit Warnungen vor katastrophalen Risiken. Anthropic hat weder einen Ausgabepreis noch die Zahl der Aktien festgelegt.

Von Von Oossa veröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: 2 Min. Lesezeit

Dimitri Karastelev · Unsplash

Anthropic hat den Börsengang beantragt und legt Anlegern einen 335-seitigen Prospekt vor, der sowohl weitreichende Versprechen als auch deutliche Warnungen zu fortgeschrittener KI enthält. Wie The Verge berichtet, umfasst der Antrag 94 Seiten zu Risikofaktoren. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass KI-Systeme „katastrophale oder existenzielle Risiken für die Menschheit“ verursachen könnten, wenn sie ohne angemessene Schutzmaßnahmen entwickelt oder eingesetzt werden.

In einem Brief an die Anleger bezeichnen die Gründer von Anthropic fortgeschrittene KI als einen Wendepunkt der Menschheitsgeschichte. Das Unternehmen wolle dazu beitragen, „ein Zeitalter der Wunder“ einzuleiten. Zugleich raten sie Anlegern davon ab, den Aktienkauf als rein geschäftliche Transaktion zu betrachten. Anthropic nennt seine offene Darstellung eine „Anti-Verkaufsstrategie“: Das Unternehmen wolle Anleger, die seine langfristige Mission und die damit verbundenen Risiken verstehen.

Was steht im Börsenprospekt?

Der Prospekt warnt, dass sich die Modelle von Anthropic auf eine Weise verhalten könnten, die Nutzer oder Entwickler nicht beabsichtigt haben. Mögliche Schäden könnten zudem so kostspielig sein, dass die Versicherungsbranche sie nicht abdecken kann. Laut Prospekt könnte das Unternehmen außerdem Investitionen tätigen, die „unverantwortlich hoch“ erscheinen, und aus Sicherheitsgründen ältere Modelle später als geplant außer Dienst stellen. Anthropic-Chef Dario Amodei bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dass die Entwicklung von KI zum Aussterben der Menschheit führen könnte, zuvor auf bis zu 25 Prozent, berichtet The Verge.

Das Unternehmen erklärt, es habe in der Vergangenheit Verluste gemacht und könne möglicherweise nie profitabel werden. Der Prospekt führt Verpflichtungen in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar zur Sicherung von Rechenkapazitäten auf. Zudem plant Anthropic, eigene Rechenzentrumsinfrastruktur aufzubauen. Zahlen für das dritte Quartal enthält der Prospekt nicht. The Verge merkt an, dass der Umsatz im zweiten Quartal schnell gewachsen ist, während sich die operativen Verluste verringert haben.

Der Börsengang ist noch nicht möglich

Anthropic will seine Class-A-Aktien unter dem Börsenkürzel ANT am Nasdaq Global Select Market notieren lassen. Die Zahl der Aktien und die Preisspanne stehen noch nicht fest. Die Registrierungserklärung wurde bei der SEC eingereicht, ist aber noch nicht in Kraft getreten. Die Aktien können daher noch nicht verkauft werden.

Der umfangreiche Prospekt zeigt auch, wie sehr die Offenlegungspflichten für börsennotierte Unternehmen gewachsen sind. Jay R. Ritter, Professor an der University of Florida, sagte The Verge, dass der Börsenprospekt von Apple aus dem Jahr 1980 nur 47 Seiten umfasst und keinen Abschnitt zu Risikofaktoren enthält. Der 200-seitige Antrag von Meta führte 22 Seiten mit Risiken auf. Ritter zufolge können lange Prospekte es Anlegern erschweren, die wichtigsten Informationen zu finden. Anthropic will den Status einer gemeinwohlorientierten Kapitalgesellschaft annehmen. Das Unternehmen erklärt, es werde neben den Interessen der Aktionäre auch seine gesellschaftliche Mission berücksichtigen. Die im Prospekt aufgeführten finanziellen Risiken bleiben davon unberührt.

Warum es wichtig ist

Wer den Börsengang in Betracht zieht, sieht, dass Anthropic sowohl vor dem finanziellen Risiko warnt, möglicherweise nie profitabel zu werden, als auch vor möglichen Schäden durch seine KI-Systeme. Ein Aktienpreis und der Umfang des Angebots stehen jedoch noch nicht fest. Außerdem enthält der Prospekt keine Zahlen für das dritte Quartal – Anlegern fehlen diese Angaben also noch, um das geplante Angebot beurteilen zu können.

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