Das US-Handelsministerium hat den Verkauf von Nvidias H200-KI-Prozessoren an den chinesischen Zulieferer New Matrix genehmigt. Das angegebene Büro des Unternehmens wirkt verlassen: Kabel hängen von der Decke, und im Gebäudeverzeichnis ist die Firma nicht zu finden. Die Genehmigung ermöglicht New Matrix dennoch den Import der leistungsstarken Chips, die große Sprachmodelle und andere KI-Anwendungen antreiben. Unter der Biden-Regierung durfte Nvidia seine fortschrittlichsten KI-Chips nicht nach China liefern. Die Beschränkung wurde gelockert, nachdem die Trump-Regierung eine Vereinbarung getroffen hatte, die der US-Regierung 15 Prozent aller Nvidia-Verkäufe in China zusichert. Auch Nvidia-Chef Jensen Huang betrieb eine Lobbykampagne, die dazu beitrug, die Änderung durchzusetzen. Die Recherche der New York Times, die diesen Bericht ausgelöst hat, fand kaum öffentliche Informationen über New Matrix. Das Unternehmen wurde vor 17 Monaten gegründet. Seine Eigentümer stehen mit einer chinesischen Private-Equity-Gruppe in Verbindung, die die USA 2024 aus Gründen der nationalen Sicherheit auf eine schwarze Liste setzten. Laut der Zeitung ist New Matrix kein Einzelfall: Auch andere Unternehmen mit ähnlichen Verbindungen haben Exportlizenzen erhalten. Beamte und Analysten befürchten, dass die Prüfverfahren zu lax sind. Wenn ein Unternehmen mit einem bloßen Scheinbüro modernste Chips beziehen kann, könnten diese möglicherweise an gesperrte Endnutzer weitergeleitet oder für militärische Projekte eingesetzt werden – genau das sollen die Exportregeln verhindern.
Hintergrund zu den Exportkontrollen
Exportkontrollen für moderne Halbleiter sollen verhindern, dass die leistungsfähigste KI-Hardware in die Hände potenzieller Gegner gelangt. Die Regeln beziehen sich auf Chips, mit denen große Modelle trainiert oder betrieben werden können und die als strategische Güter gelten. Nach dem Export Control Reform Act von 2022 kann das Handelsministerium Verkäufe an Unternehmen untersagen, die mit ausländischen Streitkräften oder auf schwarzen Listen geführten Firmen verbunden sind. Als Nvidia dem Anteil von 15 Prozent am Umsatz zustimmte, argumentierte die Trump-Regierung, die Einnahmen würden die US-Verteidigung finanzieren und die Chips könnten unter strengeren Kontrollen verkauft werden. Kritiker sagen, die Vereinbarung habe ein Schlupfloch geschaffen, durch das Unternehmen mit fragwürdigen Eigentumsverhältnissen schlüpfen könnten. Die jüngste Genehmigung für New Matrix deutet darauf hin, dass die Prüfungen des Ministeriums solche Schlupflöcher möglicherweise nicht aufdecken. Ohne physische Präsenz oder nachweisbare Geschäftstätigkeit können die Behörden nur schwer beurteilen, wofür die Technologie tatsächlich eingesetzt wird.
Warum es wichtig ist
Für normale Nutzer bedeutet das, dass moderne KI-Hardware in Projekte gelangen könnte, die US-Sicherheitsregeln umgehen – mit möglichen Folgen für den weltweiten Wettbewerb im Bereich KI. Außerdem zeigt sich, dass die derzeitigen Exportkontrollen möglicherweise nicht ausreichen, um fragwürdige Unternehmen vom Erwerb leistungsstarker Chips abzuhalten. Solange die Aufsicht nicht verbessert wird, bleibt unklar, wie groß das Risiko eines Technologietransfers an gesperrte Unternehmen ist.