Die Europäische Kommission ist vorläufig zu dem Schluss gekommen, dass TikToks „Für dich“-Feed möglicherweise gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA) der EU verstößt. Die Kommission befürchtet, dass der Feed nach der Interaktion mit einer bestimmten Art von Inhalten immer wieder ähnliche Videos empfehlen und so einen sogenannten „Rabbit-Hole“-Effekt erzeugen kann.
Das kann schädlich sein, wenn es in den Videos um Traurigkeit, Isolation, psychische Probleme oder Körperbild geht, erklärt die Kommission. Sie warnt, dass die wiederholte Konfrontation mit solchen Inhalten der psychischen Gesundheit schaden könnte – insbesondere bei Minderjährigen und schutzbedürftigen Erwachsenen.
Was untersucht die Kommission?
Die vorläufigen Feststellungen betreffen TikToks Risikobewertung und die Maßnahmen, mit denen das Unternehmen Risiken mindert. Es geht nicht allein darum, dass Nutzerinnen und Nutzer auf ein verstörendes Video stoßen könnten: Die Kommission sorgt sich um ein Empfehlungssystem, das immer wieder ähnliche Inhalte ausspielen kann, wenn jemand weiter damit interagiert.
TikToks „Für dich“-Feed zeigt Nutzern einen fortlaufenden Strom personalisierter Videos. Nach Ansicht der Kommission könnte dieses Design es erschweren, sich von bestimmten Themen abzuwenden, sobald das System immer mehr ähnliche Inhalte empfiehlt. Bei der Feststellung handelt es sich um eine erste regulatorische Einschätzung, nicht um eine endgültige Entscheidung, dass TikTok gegen das Gesetz verstoßen hat.
Was ist noch offen?
Die Kommission hat in ihrer Mitteilung nicht ausgeführt, welche Änderungen sie von TikTok erwartet, ob sie eine Strafe verhängen wird oder wann eine endgültige Entscheidung fallen könnte. Aus der vorläufigen Feststellung lässt sich daher nicht ableiten, dass sich der Feed für Nutzerinnen und Nutzer sofort ändern wird.
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht das Design von Empfehlungsfeeds und nicht nur einzelne Videos. Für TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer besteht das praktische Risiko darin, dass die Interaktion mit sensiblen Inhalten zu weiteren ähnlichen Empfehlungen führen kann. Ob das Verfahren der Kommission Änderungen an der App nach sich zieht und wie diese aussehen würden, ist noch offen.
Warum es wichtig ist
Für TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer, die Videos über psychische Gesundheit oder Körperbild ansehen, besteht laut Kommission das Risiko, dass die Interaktion mit einem Video weitere ähnliche Inhalte in ihren Feed bringt. Die Feststellung ist vorläufig; aus der Mitteilung geht nicht hervor, ob oder wann Nutzerinnen und Nutzer Änderungen bemerken werden.